Andacht September

 

Andacht September

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Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.
Psalm 106, 1

Wahrscheinlich bin ich so etwas wie ein „Erntedank-Typ“: Danken finde ich etwas wunderbares. In den letzten Jahren habe ich das Thema Dankbarkeit für mich entdeckt.

Wegweisend für mich waren vor Jahren zwei Begegnungen, kurz hintereinander:

Die erste: eine Frau, Anfang 80, bat mich telefonisch um einen Besuch. Ich kam und traf eine verbitterte Frau: Alle waren schlecht zu ihr. Niemand da, der etwas Gutes für sie tun wollte. Der Tod ihres Mannes, so sah sie es, hatte sie aus dem Paradies geworfen. Und nun haderte sie mit dem Schicksal, dass sie um ihr Recht auf Glück betrogen sei.

Das ganze Gegenteil ein paar Tage später, bei einem Besuch im Krankenhaus: eine kleine schmale Frau, an die 90, versinkt fast in Kissen und Bettdecke. Ich begrüße sie, stelle  mich vor. “Und, wie geht es Ihnen?” “Danke, gut!” Habe ich richtig gehört? “Und warum sind Sie dann hier, wenn es Ihnen gut geht?” “Ach, das, das ist das Alter. Mir geht es doch gut, ich habe zu essen, und hier kümmert man sich um mich. Wenn ich die schlimmen Bilder im Fernsehen sehe, wie da Menschen  verhungern, dann merke ich, dass es ich es besser habe als die.”

Wie anders nahm diese Frau ihr Leben. Sie sah in allem einen Anlass zur Dankbarkeit.

Seitdem rätsle ich, wie sich ein dankbares Leben gewinnen lässt.

Wenn Hundertjährige interviewt werden, kommt regelmäßig die Frage nach dem Geheimnis oder Rezept, wie er oder sie so alt werden konnte. Genauso regelmäßig ist dann etwa Folgendes zu lesen: Maßvoll leben, ein Gleichmaß über Jahrzehnte – und Dankbarkeit.

Das maßvolle Leben lässt sich lernen. Negativen Stress vermeiden ist etwas schwieriger. Und dankbar leben? Als innere Haltung durch und durch? Ich glaube, es geht. Öfters tief durchatmen, sich umschauen und einfach mal sich am Guten freuen.

Und zu Erntedank wird das gefeiert: Dass wir empfangen, was ohne unser Zutun gewachsen ist. Dass wir davon zehren, was andere uns zukommen lassen. Und dass Gott das gemacht hat, die Macht, die unser Leben trägt und hält. Dass uns etwas zugefallen ist in der letzten Zeit, dass wir dankbar sein können Tag für Tag.

An Gott liegt es, sagt der Psalmvers. Er ist freundlich. Er meint es gut mit uns. Und wenn es mir nicht gut geht, halte ich mich daran fest. Oder besser an ihm: wenn er das Gute will, für jeden Menschen, dann, bitte…

Danke finde ich etwas wunderbares. Ich freue mich auf Erntedank!

Auch im Oktober und November eine gute Zeit!
Ihr

Jörg Wilkesmann-Brandtner

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